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Cervélo S5: Testbericht über ein Aero-Rennrad, das selbst in den Bergen überrascht

Ich hatte die Gelegenheit, ein Wochenende auf einem reinrassigen Rennrad Cervélo S5 zu verbringen, und ich war neugierig wie selten. Die meiste Zeit fahre ich nämlich Gravel – sei es mit Offroad- oder mit Straßenreifen – und mich interessierte, wie sehr mich so eine Maschine „nach vorn katapultiert“. Umso mehr, weil ich sie direkt zur lokalen „Galaxie-Meisterschaft“ mitgenommen habe, dem Bergrennen Duchcov–Bouřňák.

Veröffentlicht: 3. 9. 2026
1 Min. Lesezeit
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Es lässt sich kaum übersehen, dass Aero-Räder heute selbst in klaren Bergankünften der Tour de France, des Giro oder der aktuell laufenden Vuelta zu sehen sind. Sie können sogar ein Kopfsteinpflasterrennen gewinnen – wie Wout van Aert es dieses Jahr bei Paris–Roubaix gezeigt hat. Wie schafft das ein Rad, das optisch eher an eine Zeitfahr- oder Triathlon-Maschine erinnert?

Cervélo S5: Was sich am Rahmen und an der Aerodynamik geändert hat

Die S5-Generation hat Cervélo letztes Jahr vorgestellt. In den kommenden Saisons soll sich dann nur noch die Lackierung ändern, die übrigens für die Saison 2027 richtig gut werden wird! Laut Hersteller wurde im Vergleich zur vorherigen Generation der aerodynamische Widerstand um 65 Gramm reduziert, und gleichzeitig wurde bei geringerem Gesamtgewicht die für die Aerodynamik genutzte Rahmenfläche vergrößert. Die Rohrformen wurden komplett überarbeitet – das Steuerrohr ist tiefer, die Gabel niedriger und schlanker, und An- wie auch Abrisskanten sind im Rahmen der UCI-Regeln aggressiver geformt.

Einen grundlegenden Wandel hat auch das Kombi-Cockpit durchgemacht. Während die vorherige Generation eine zweiteilige Lösung hatte: einen separaten V-förmigen Vorbau ST35 und daran angeschraubte Lenker HB14. Die neue Generation HB19 ist einteilig, aus einem Stück. Damit entfallen die Schrauben und Beschläge zur Befestigung des Lenkers am Vorbau, was weitere 53 Gramm spart und die Montage beschleunigt. Die Gabel – vermutlich das spezifischste Bauteil des gesamten Rads – ist vollcarbon, in Bajonett-Ausführung, und arbeitet mit dem Steuersatz FSA IS2 (1 1/8″ × 1 3/8″) zusammen.

Die Geometrie bleibt kompromisslos rennorientiert – in Größe 58 ergeben sich ein Stack von 565 mm, ein Reach von 392 mm, ein Lenkwinkel
von 73,5°, ein Sitzwinkel von 73° und eine Kettenstrebenlänge von 405 mm. Mit meinen 193 cm habe ich mich am Ende genau für Größe 58 entschieden, die laut Katalog perfekt passte.

Einstellung der Sitzposition ohne Stress

Kombi-Lenker sind für Mechaniker generell ein Albtraum, wenn am fertigen Rad Spacer unter dem
Vorbau geändert werden müssen. Meistens bedeutet das, die halbe Front des Bikes zu zerlegen und die Vorspannung des Steuersatzes wieder neu einzustellen. Das S5
hat dank der einzigartigen Lösung von Gabel und Steuersatz jedoch einen großen Vorteil: Der Kombi-Lenker wird mit drei unabhängigen Schrauben befestigt und der Steuersatz bleibt nach der Demontage fest angezogen. Die Spacer lassen sich dadurch sehr schnell und ohne unnötiges Zerlegen feinjustieren. Ein kleines, umso angenehmeres Detail ist auch die einfache Handhabung der Sattelstützenklemmung, ob im Rahmen oder am Sattel – daran erkennt man das hohe Niveau der technischen Verarbeitung.

Ausstattung Sram Force AXS

Das Testbike war mit dem kompletten Sram Force AXS E1-Set ausgestattet: kabellosen Schalt-/Bremshebeln, Force AXS E1-Schaltwerk und -Umwerfer, Force AXS E1-Kurbel mit 50/37-Z.-Kettenblättern und einem direkt im Spider integrierten Wattmesser, Force E1 10–33-Z.-Kassette, Force E1-Kette sowie SRAM Paceline Centerlock-Scheiben. Elektronische Schaltung und Bremsen haben damit die gleiche Architektur wie die Topgruppe Red, nur in einer günstigeren und etwas schwereren Ausführung – ohne Kompromisse bei der Funktion. Für mich ist das eine absolut ideale Kombination aus Preis und Leistung.

Reserve 57TA- und 64TA-Laufräder

Eingespeichte Laufräder liefert die Marke Reserve: vorne Reserve 57TA, hinten 64TA (TA = Turbulence Aero), beide auf DT Swiss 240-Naben mit Center-Lock-Aufnahme und in Tubeless-Ausführung. Die Entwicklung erfolgte in Zusammenarbeit mit der Marke Reserve direkt für das S5. Ziel war es, die Stabilität zu erhöhen und den Widerstand in der turbulenten Luftströmung hinter dem Fahrer zu reduzieren, was laut Hersteller gegenüber der vorherigen Felgengeneration mehr als 5 Watt einsparen soll. Das ist auch der Grund für die Kombination aus höherer Felge am Hinterrad und niedrigerer am Vorderrad. In letzter Zeit habe ich besonders breite Rennradreifen sehr schätzen gelernt, daher habe ich ausprobiert, was ins S5 passt. Die Gabel vorn nimmt Reifen bis zu einer Breite von 34 mm auf, der Hinterbau etwas weniger, bis 32 mm. Serienmäßig ist das S5 mit 29 mm breiten Reifen Vittoria Corsa Pro TLR ausgestattet.

Wie fährt sich das Cervélo S5?

Cervélo S5 unterscheidet sich in der Geometrie von allem, was ich bisher gefahren bin, und ich war gespannt, wie es mir passen würde. Nach einer kurzen Einstellung habe ich mich aber sehr schnell daran gewöhnt und fühlte mich auf dem Rad ganz natürlich. Die Sitzposition hat mich deutlich mehr über das Tretlager und insgesamt etwas weiter nach vorn gebracht, als ich es vom Gravel kenne – und das hat mir gefallen. Angenehm überrascht hat mich, dass das S5 trotz des gefühlt eingeschränkten Lenkeinschlags (wenn das Rad steht und man den Einschlag der integrierten Gabel ausprobiert, erwartet man weniger) sehr wendig ist und auf jede Bewegung am Lenker präzise reagiert. Gleichzeitig wirkt es zugänglich und überraschend komfortabel.

Der wichtigste Eindruck ist aber: Das Rad geht richtig vorwärts. Dank der großen Materialmenge im Bereich von Steuerrohr und Tretlager ist der Rahmen superstabil, und man hat das Gefühl, dass kein Watt aus jedem Tritt verpufft – das erwartet man von einem solchen Aero-Bike irgendwie. Aber der Komfort? Den habe ich wirklich nicht erwartet. Unebener Asphalt und Kopfsteinpflaster waren kein Problem. Klasse ist auch das Kombi-Cockpit: Beim Fahren im Wiegetritt ist es ausreichend steif, und bei langen Anstiegen bietet es jede Menge Griffmöglichkeiten; am meisten mochte ich den mittleren Bereich, der perfekt in der Hand liegt.

Cervélo S5 in den Bergen

Gut! Ich hatte definitiv nicht das Gefühl, dass das Rad bergauf nicht läuft oder mich irgendwie einschränkt – eher im Gegenteil. Auch wenn ich aktuell nicht in Topform bin, hatte das S5 selbst in den steilsten Passagen Lust, nach vorn zu gehen, und der Vorteil der Steifigkeit des gesamten Rads war spürbar. Gemerkt habe ich das vor allem in Momenten, in denen ich – gerade im Rennen – spürte, dass ich am Limit bin, aber dadurch, wie bereitwillig das Rad lief, konnte ich mich ein Stück höher halten, als es bei mir üblich ist. Das ist aber ein rein subjektives Gefühl.

Cervélo S5: Testfazit

Cervélo S5 ist trotz seines kompromisslosen Aero-Looks ein überraschend vielseitiger Partner. Sein Fahrverhalten wird dich dazu bringen, das Maximum aus dir herauszuholen, und auch wenn es wehtut, wird es dir Spaß machen.
 

Um das Fahrrad drehe ich mich schon seit meiner Kindheit, und in dieser Zeit habe ich zahlreiche Disziplinen durchlaufen: Junioren-Nationalmannschaftsmitglied der ČR im Cross-Country, in der U23-Kategorie Mitglied des Nationalteams und Teilnehmer an Weltcups sowie Weltmeisterschaften im Cyclocross, in der Elite-Kategorie Mitglied des Profi-Teams Sparta Praha. Danach ging es nur noch um den Spaß – mit Begeisterung habe ich mich dem Downhill und anschließend dem Enduro zugewandt. Aktuell trefft ihr mich am häufigsten auf dem Gravelbike, aber es zieht mich weiterhin zurück ins Gelände, und ich fange auch an, Gefallen an leichten Enduro-E-Bikes zu finden. :) Ich schätze meine Ergebnisse bei Skialp-Events wie Noc tuleních pásů und Sella Ronda, wo ich auch große Pläne für die Zukunft habe, und zugleich ist das meine größte Herausforderung.

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