Praxiserfahrungsbericht: Umstieg von Specialized S-Works Turbo 28 mm auf Vittoria Corsa Pro 30 mm, ergänzt um Erkenntnisse aus internationalen Tests.
Vittoria Corsa Pro wollte ich schon seit Längerem ausprobieren. Bisher hat mich aber eine Sache abgeschreckt – die beigefarbenen Seitenwände, die optisch nicht zu meinem Rad passten. Als dieses Jahr die komplett schwarze Full-Black-Version kam, war die Entscheidung gefallen. Nach ungefähr 500 Kilometern ist es Zeit für erste Eindrücke.
Corsa Pro muss man dabei nicht groß vorstellen – es ist der Reifen, auf dem dieses Jahr bei der Tour de France Visma | Lease a Bike um Jonas Vingegaard unterwegs ist, der Sieger der Auftaktetappe in Barcelona, außerdem EF Education–EasyPost oder Team Picnic PostNL. Ich bin auf ihn von den Specialized S-Works Turbo in 28 mm Breite umgestiegen.
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Parameter |
Wert |
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Modell |
Vittoria Corsa Pro TLR G2.0 Full Black |
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Größe |
30-622 (700×30C) |
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Gewicht (Herstellerangabe) |
ca. 285–290 g
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Karkasse |
Baumwolle, 320 TPI |
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Mischung |
Graphene 2.0 + Silica, 4 Mischungen in der Lauffläche |
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Pannenschutz |
Einlage unter der Lauffläche |
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Ausführung |
Tubeless-Ready (TLR), auch mit Schlauch kompatibel, hookless-kompatibel |
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Empfohlener Druck |
ca. 3,5–5,5 bar (je nach Größe und Fahrergewicht) |
Corsa Pro ist das Flaggschiff von Vittorie – ein handgefertigter Reifen mit Baumwollkarkasse mit einer Dichte von 320 TPI, ein Wert, den herkömmliche Nylonkarkassen (typischerweise 60–170 TPI) nicht erreichen. Genau diese feine Karkasse ist der Hauptgrund für das berühmte „seidenweiche“ Fahrgefühl.
Ich habe den Reifen nicht tubeless montiert, sondern mich für TPU-Schläuche entschieden. Ein neuer, „nicht eingefahrener“ Reifen lässt sich immer etwas stramm aufziehen, das ist bei jeder Marke normal. Bei der Corsa Pro habe ich aber nicht festgestellt, dass es deutlich schlimmer wäre als bei anderen Reifen, mit denen ich bislang gearbeitet habe. Ein bewährter Trick hilft: Die Reifenwulst rundum in den mittleren Kanal der Felge drücken. Und natürlich auch gute Reifenheber.
Der Wechsel von 28mm S-Works Turbo auf 30mm Corsa Pro ist sofort spürbar. Ich fahre Drücke um die 4,5 bar, und der Reifen bietet deutlich mehr Komfort – schlechten Asphalt und feine Vibrationen filtert er auf eine Weise, die man mit einer Nylonkarkasse einfach nicht erlebt. Ein Teil davon geht natürlich auf das breitere Profil und den niedrigeren Druck zurück, aber die Nachgiebigkeit der Baumwollkarkasse ist unverwechselbar. Das britische Cyclingnews beschreibt in seinem Langzeittest das Fahrgefühl als ein „Schweben“ über der Oberfläche – und das trifft es, besonders auf tschechischen Straßen, wo der Asphalt nicht immer 100% ist.
Das zweite, was mich überzeugt hat, ist der Grip. Die Graphene-2.0-Mischung mit Silica hält in Kurven sicher und vermittelt Vertrauen auch auf nassem Untergrund. Darin sind sich auch internationale Tests einig – Cycling Weekly bezeichnete den Grip als schlichtweg brillant, und der Langzeittest von The Pro's Closet (über 3 000 km) hebt gerade das Verhalten bei Nässe als größten Fortschritt gegenüber der vorherigen Generation Corsa G2.0 hervor.
Mich hat überrascht, dass sich die erste Fahrt anders angefühlt hat, als ich erwartet hatte. Die Corsa Pro wirkt auf mich ruhiger und geschmeidiger als die ursprüngliche S-Works Turbo, was den Eindruck einer geringeren Geschwindigkeit erzeugen kann. Denn das breitere Profil und der niedrigere Druck verändern das Fahrgefühl: Der Reifen ist leiser und „weicher“, was das Gehirn oft fälschlicherweise als langsameres Fahren interpretiert.
Die Labordaten sagen jedoch das Gegenteil: Unabhängige Tests haben bei der Corsa Pro einen um etwa 3 W geringeren Rollwiderstand gegenüber der vorherigen Generation gemessen und ordnen sie damit zu den schnellsten Reifen auf dem Markt ein – schließlich zeigt das auch, dass Top-Teams bei der diesjährigen Tour de France auf ihr fahren. In meinen Gesamteindruck fließen außerdem der Zustand meiner Laufräder und meine aktuelle Form mit ein, daher würde ich aus den ersten 500 Kilometern definitiv kein endgültiges Fazit ziehen. Sobald ich die Lager in den Rädern getauscht habe, komme ich gern mit einem Update auf das Thema zurück.
Und ich gebe es zu: Als begeisterter Hobbyfahrer schätze ich ohnehin mehr als jede Hundertstelsekunde und jedes eingesparte Watt den Komfort, die Stabilität und die Sicherheit in Kurven – also genau das, worin die Corsa Pro herausragt.
In den bisherigen Reifen bin ich Butyl-Extralight-Schläuche gefahren, in die Corsa habe ich TPU-Schläuche (thermoplastisches Polyurethan) montiert. Der Grund ist simpel – das Gewicht:
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Schlauchtyp |
Typisches Gewicht (Rennrad, 700C) |
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Standard-Butyl |
80–105 g |
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Butyl extralight (z. B. Conti Race Light) |
60–75 g |
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Latex |
70–80 g |
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TPU (Tubolito, Pirelli SmarTube, Schwalbe Aerothan, RideNow) |
24–41 g |
Gegenüber Extralight-Butyl sparen TPU-Schläuche also etwa 25–40 g pro Rad, also 50–80 g pro Satz – und zwar an der rotierenden Masse am Felgenumfang, wo jedes Gramm am stärksten ins Gewicht fällt. Ein Bonus ist das minimale Packmaß im zusammengefalteten Zustand (ein Ersatz-TPU-Schlauch nimmt in der Trikottasche etwa so viel Platz ein wie ein Energieriegel) und laut Tests auch ein etwas geringerer Rollwiderstand als bei Butyl. Der Preis dafür sind der höhere Preis und die Besonderheiten beim Flicken (es ist ein spezieller Flicken erforderlich).
In den ersten 500 km hatte ich keinen einzigen Defekt, und der Hersteller gibt zudem einen um 18 % besseren Pannenschutz gegenüber der vorherigen Generation an. Corsa Pro ist jedoch ein kompromissloser Rennreifen mit feiner Baumwollkarkasse, daher kann man von ihm nicht die gleiche Haltbarkeit erwarten wie von Trainingsmodellen. Wenn Sie die meiste Zeit auf winterlichen, von Splitt übersäten Straßen unterwegs sind, würde ich eher zur robusteren Variante Corsa Pro Control greifen.
Pluspunkte:
Minuspunkte:
Komfort: ⭐⭐⭐⭐⭐
Grip: ⭐⭐⭐⭐⭐
Geschwindigkeit: ⭐⭐⭐⭐☆
Haltbarkeit: ⭐⭐⭐⭐☆
Montage: ⭐⭐⭐⭐☆
Insgesamt: ⭐⭐⭐⭐⭐
Die größte Überraschung für mich war der Komfort – ich hätte nicht erwartet, wie groß den Unterschied die Kombination aus 30 mm Breite und einer Baumwollkarkasse machen kann. Und obwohl die Corsa Pro bei den ersten Fahrten auf mich einen ruhigeren Eindruck machte als die S-Works Turbo, bestätigen Labormessungen wie auch die Ergebnisse im Profi-Peloton, dass Geschwindigkeit definitiv nicht ihre Schwäche ist. Wenn ich mich heute noch einmal entscheiden müsste, würde ich ohne zu zögern zur Version Full Black greifen.
Fahrt ihr die Corsa Pro auch? Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren.
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