Auf meiner Reise durch Schottland habe ich jedes Gramm bedacht, das ich auf dem Rücken tragen werde. Das gesamte Trekking-Setup auf ultraleicht zu optimieren, ist gar nicht so einfach – aber irgendwo muss man anfangen! Also starte ich mit einem Ausrüstungsstück, das vielleicht nicht besonders groß ist, aber meiner Meinung nach umso wichtiger – einer Stirnlampe. Jeder, der schon einmal nach Einbruch der Dunkelheit weiterwandern oder ein Zelt aufbauen musste, weiß sicher, wovon ich spreche.
Da ich mich nicht ganz entscheiden konnte, habe ich mir zum Testen zwei unterschiedliche Modelle ausgesucht:
Bald sollte sich zeigen, welche von ihnen ich auf Reisen lieber mitnehme!
Ultraleichte Stirnlampen sind übrigens nicht nur beim Trekking mit Zelt oder beim Fastpacking sinnvoll. Sie sind kompakt, minimalistisch und federleicht, auf dem Kopf spürt man sie fast nicht, und sie passen immer in die Jackentasche: beim morgendlichen Lauf im Stadtpark, spät abends beim Gassigehen mit dem Hund oder beim Sternebeobachten an einer Berghütte. Dank ihrer kleinen Packmaße sind sie außerdem sehr praktisch als Notfalllösung, die man ständig dabeihat – auch wenn man gerade nicht auf Tour ist.
Obwohl beide Stirnlampen in Sachen Ausstattung und Preis nahezu identisch sind, zeigten sich die ersten Unterschiede direkt nach dem Auspacken. Silva Smini Fly wirkte auf mich sofort sehr stylisch mit ihrem einfarbigen Design in einem zarten mintgrünen Ton. Das war übrigens nur eine von mehreren hübschen Farbvarianten – die Skandinavier haben einfach wieder einmal nicht enttäuscht! Das Stirnband lässt sich abnehmen und bei Bedarf durch ein neues ersetzen, was nachhaltig und benutzerfreundlich ist. Beim Versuch, das Band abzunehmen, hatte ich kurz Sorge, dass ich eine der feinen Kunststoffkanten abbreche, aber sie haben es unbeschadet überstanden. An der Stelle, an der die Stirnlampe an der Stirn anliegt, ist sie mit Schaumstoff gepolstert. Eine weitere interessante Funktion: Die Smini Fly lässt sich hochklappen, wodurch sich der Leuchtwinkel einstellen lässt und zugleich der USB-C-Ladeanschluss freigelegt wird. Trotz der Wasserdichtigkeit nach IPX5 kann dieser zusätzliche Schutz vor Staub und Feuchtigkeit definitiv nicht schaden.
Mein erster Eindruck von der Smini Fly: stylisch, innovativ, durchdacht.
Petzl Bindi wirkt vielleicht nicht so elegant und kreativ wie Silva, macht aber sofort einen sehr robusten Eindruck. Das kompakte Lampengehäuse mit einem kleinen Knopf, der Micro-USB-Port an der Unterseite (ebenfalls wasserdicht nach IPX4) und eine dünne elastische Kordel mit Kordelzug statt eines klassischen Stirnbands – das ist alles. Sie bietet alle nötigen Funktionen und gleichzeitig ein Minimum an Stellen, die anfällig für Verschleiß oder Beschädigungen wären.
Mein erster Eindruck von Petzl Bindi: hochwertig, funktional und minimalistisch.
Man kann eine Menge Informationen sammeln, aber am aussagekräftigsten ist am Ende immer der Praxistest. Also beide Stirnlampen schnell aufladen (das ging ziemlich flott), die Laufschuhe anziehen und ab nach draußen in den dunklen Park!
Als erstes war die Silva Smini Fly dran. Beim ersten Einschalten hat mich überrascht, wie weit ihr Licht selbst auf der niedrigsten Helligkeitsstufe reicht – vor allem der hellste Punkt in der Mitte. Auf den zwei höheren Stufen bekommt man buchstäblich einen Scheinwerfer! An den Rändern ist das Licht der Smini Fly etwas schwächer. Trotzdem war der Weg für meine Zwecke auch rechts und links von mir ausreichend ausgeleuchtet, und die niedrigste Helligkeitsstufe war zum Joggen absolut top. Dank der vier verschiedenen Neigungsstufen konnte ich außerdem den Abstrahlwinkel anpassen und so den hellsten Punkt näher heranholen.
Eine kurze Begegnung mit einem Waschbären erinnerte mich daran, dass es Zeit ist, auf Rotlicht umzuschalten – das ist für Tiere weniger stressig. Mit meiner alten Stirnlampe konnte ich im Rotlichtmodus problemlos laufen. Und mit der Silva? Abgesehen von einem ziemlich hellen, aber relativ kleinen Punkt in der Mitte war das Rotlicht der Smini Fly eher schwach. Am äußeren Rand wurde es zudem von einem Lichtring eingefasst, was mich beim Laufen etwas irritierte. Egal, also lief ich mit weißem Licht weiter und machte mich schließlich auf den Heimweg. Positiv muss ich erwähnen, dass die Silva dank der Schaumstoffpolsterung vom ersten Aufsetzen bis zum letzten Meter des anderthalbstündigen Laufs immer unglaublich bequem saß und ich sie kaum wahrnahm.
Beim nächsten Nachtlauf war die Petzl Bindi im Einsatz. Sie saß überraschend bequem, auch ohne Polsterung. In dieser Nacht wollte ich direkt mit Rotlicht loslaufen. Das kam mir bei der Petzl sehr weich und gleichmäßig gestreut vor, aber immer noch schwächer, als ich es gewohnt war. Bei meinem langsamen Anfangstempo reichte das noch, später schaltete ich zur Sicherheit wieder auf weißes Licht um. Die Tiere im Park mussten es heute eben noch einmal aushalten.
Der Weißlichtmodus der Petzl hat mich staunen lassen, wie unterschiedlich in der Praxis eine nahezu identische Lumen-Zahl aussehen kann! Auch hier warf die Petzl Bindi ein sehr gleichmäßiges, weiches Licht, das etwas breiter war als bei der Silva, aber nicht so weit in die Ferne reichte. Für meine üblichen Einsatzzwecke ist diese Reichweite jedoch vollkommen ausreichend.
Beim Umschalten der Modi traf ich aber manchmal den kleinen Knopf an der Lampe nicht, weil beim Laufen eben doch alles ein wenig wackelt. Mit dem größeren Knopf bei der Silva war das irgendwie einfacher. Außerdem: Jedes Mal, wenn ich bei der Petzl Bindi nach einer Weile die Helligkeitsstufe ändern wollte, ging die Stirnlampe zuerst komplett aus. Das ist nicht ideal, wenn man gerade voll läuft und plötzlich das Licht ausgeht – aber wenn man es weiß, kann man sich darauf einstellen. Bei der Petzl bin ich am Ende bei der zweiten Helligkeitsstufe als der sinnvollsten Stufe zum Laufen gelandet. Super fand ich hier die stufenlose Neigefunktion, mit der ich den Abstrahlwinkel immer absolut perfekt einstellen konnte.
| Petzl Bindi | Silva Smini Fly |
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Nachdem ich beide Stirnlampen mehrere Wochen lang auf meinen späten abendlichen Laufrunden getestet hatte, war ich nun gespannt, sie mit auf den Trail zu nehmen. Also Rucksack packen und ab auf den wunderschönen Forststeig in den Labských pískovcích! Weil es schon fast Sommer ist und die Tage entsprechend lang sind, musste ich zwar nie im Dunkeln das Zelt aufbauen oder nach Einbruch der Dunkelheit weiterwandern – trotzdem gab es auf meiner kleinen viertägigen Tour genügend Gelegenheiten, Petzl und Silva im Campingalltag zu testen. Zum Beispiel beim abendlichen Zusammensitzen, Essen und Plaudern mit anderen Wanderern, beim Lesen im Zelt und (leider) auch beim unvermeidlichen nächtlichen Gang zur Toilette.
Die Schwächen, die die Stirnlampe Petzl Bindi in meinen Augen beim Laufen gezeigt hat, konnte sie auf dem Campingplatz mehr als wettmachen. Mit ihrem weichen, gleichmäßigen Lichtkegel empfand ich sie als Campinglampe als sehr angenehm. Die niedrigste Leuchtstufe und das rote Licht, die mir zum Laufen nicht hell genug vorkamen, erschienen mir hier völlig ausreichend und dezent genug, um die anderen Mitcamper nicht zu sehr zu blenden oder sie auf meinem nächtlichen Weg zu den Toiletten zu stören. Noch eine tolle Sache: Petzl merkt sich den zuletzt gewählten Modus (rot/weiß) auch nach dem Ausschalten. Bei der Silva Smini Fly musste man ihn jedes Mal neu einstellen.
Außerdem war mir (und auch den anderen) diese elegante schwedische Stirnlampe selbst auf der niedrigsten Helligkeitsstufe schon zu grell, sodass ich bald nur noch zur Petzl griff. Auch die vier festen Neigungswinkel der Silva, die mir beim Laufen völlig ausgereicht hatten, konnten im Camp nicht mit der stufenlosen Verstellbarkeit der Petzl mithalten. Dadurch, dass die Silva beim Verändern des Leuchtwinkels größer wird, bin ich beim Hineinkriechen in das Zelt und Herauskriechen daraus außerdem gelegentlich an die Zeltplane gestoßen.
Positiv überrascht hat mich jedoch die Robustheit der Silva. Die filigran wirkenden Kunststoffteile, mit denen das Stirnband am Lampenkörper befestigt ist, haben das ständige Drücken und Stopfen in den Rucksack genauso problemlos überstanden wie die Petzl Bindi!
Spätestens beim Test auf dem Campingplatz bestätigte sich mir die Ausrichtung beider Stirnlampen, die die Hersteller jeweils angeben: Die robuste, minimalistische Petzl Bindi überzeugt in meinen Augen vor allem auf dem Campingplatz (wenn auch nicht mit allzu starker Leuchtkraft?), im Freundeskreis und bei Bewegung in gemäßigtem Tempo – also genau beim Wandern. Das macht sie für mich zu einer sehr guten ultraleichten Trekking-Stirnlampe.
Die Stärken der eleganten Silva Smini Fly sehe ich persönlich dagegen eher beim Laufen oder sogar Trailrunning – dort, wo aufgrund des höheren Tempos vor allem eine gute Ausleuchtung des Weges mit einer gewissen Reichweite zählt. Wer nicht ausdrücklich auf ein starkes rotes Licht angewiesen ist, findet in der Silva meiner Meinung nach eine absolut zuverlässige, stylische Lauf-Stirnlampe – auch fürs Gelände.
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