Die 90er – ich war etwa zehn, als ich auf dem Wohnblockgelände vor unserem Haus die Felge an einer „Gewinnfliese“ ruinierte. Danach ging ich zum lokalen Spezialisten für Speichen und wollte eine neue: „25 mal 622“, platzte ich damit heraus, ohne zu wissen, was das überhaupt bedeutet. In diesem Artikel werfen wir einen genaueren Blick auf die aktuell am häufigsten verwendeten Laufradgrößen, damit ihr euch darin nicht mehr verirrt.
Bei MTB begegnen Ihnen heute oft Laufradgrößen in Zoll – 26", 27,5", 29". Rennräder sowie Gravel- und Trekkingräder werden dagegen häufig mit einer Maßangabe bezeichnet, meist 700c oder auch 622, aber auch 28”.
Warum? Marketing. Vor langer Zeit musste man Rennräder und MTB im Handel klar voneinander abgrenzen, daher ergänzte man zu den ursprünglichen Angaben die Zollgrößen – obwohl es am Ende im Grunde um denselben Felgendurchmesser geht.
Was haben diese Zahlen gemeinsam, wenn ich weiter oben geschrieben habe, dass die eine Zahl zu Rennrädern und die andere zu MTB gehört? Alles basiert auf derselben Grundlage – einem Felgendurchmesser von 622 mm. Der Unterschied liegt vor allem im verwendeten Reifen – MTB nutzen breitere und voluminösere Bereifung, die auch den resultierenden Außendurchmesser des Rades verändert.
Die Bezeichnung 700c ist französischen Ursprungs und basierte ursprünglich auf dem ungefähren Außendurchmesser des fertig bereiften Rads – was heute, angesichts der großen Bandbreite an Reifengrößen, nicht immer zutreffen muss.
Und damit es nicht zu einfach wird: Wenn Sie auf unserer Website die Kategorie Laufräder öffnen, stoßen Sie dort auf die Rennradgröße 28". Ergibt das keinen Sinn? Ich erkläre es. Auch hier handelt es sich weiterhin um dieselbe Felge mit einem Durchmesser von 622 mm. Mit schmalerer Rennradbereifung ist der resultierende Außendurchmesser des Rads jedoch kleiner als bei breiten MTB-Reifen. Deshalb begegnen Ihnen bei Rennrad- und Gravelbikes die Größe 28" und bei MTB 29" – obwohl sie denselben Felgendurchmesser verwenden.
Auf der Seitenwand jedes Reifens finden Sie gleich zwei Angaben – Zoll und ISO:
29 × 2,2 → entspricht → 56 - 622
Auf der Felge ist es umgekehrt – dort sehen Sie Durchmesser × Innenbreite, zum Beispiel 622 × 30. Die 30 ist die Innenbreite der Felge in Millimetern und bestimmt, wie breit der Reifen sein darf. Es gilt eine einfache Regel: Je breiter der Reifen sein soll, desto breiter muss die Felge sein.
Und damit die Übersicht komplett ist: Jede der drei wichtigsten MTB-Größen hat ihr Millimeter-Äquivalent:
| ISO-Felgendurchmesser | MTB | Straße/Gravel | Hinweis |
|---|---|---|---|
| 622 mm | 29" | 700c / 28" | Gleiche Felge, andere Reifenbreite |
| 584 mm | 27,5" | 650b | Auf Straße/Gravel eine Seltenheit |
| 559 mm | 26" | - | Heute überwiegend MTB-Spezialitäten |
Ein größeres Laufrad ist schneller, kommt über größere Hindernisse, ein kleineres beschleunigt dafür schneller und lässt sich besser kontrollieren. Was also wählen?
Aktuell wird auch über die Größe 32 Zoll gesprochen – wir haben sogar vor Kurzem ein solches Exemplar getestet. Da diese Größe noch ganz am Anfang steht, lassen wir sie außen vor und schauen uns die heutigen, etablierten und am häufigsten verwendeten Größen an.
26" war vom Beginn des MTB in den 70er-Jahren bis ins neue Jahrtausend hinein der einzige Standard bei Mountainbikes. Heute wird es häufig in speziellen Disziplinen wie Dirt, Pumptrack und Ähnlichem eingesetzt. Es bietet eine hohe Steifigkeit und beschleunigt willig, lässt sich leicht auf Tempo bringen, die Trägheit ist aber logischerweise am geringsten. Für klassische MTBs ist diese Größe eher auf dem Rückzug. Ich behaupte nicht, dass man kein Mountainbike für Erwachsene auf 26-Zoll-Rädern kaufen kann, aber es ist inzwischen wirklich eine Randerscheinung.
27,5" ist kein Neuling – auch wenn diese Größe zum Beispiel in Frankreich schon in den 70er-Jahren bekannt war, setzte sie sich global erst um 2007 stärker durch. Heute wird sie vor allem bei kleineren Rahmen, für kleinere Körpergrößen verwendet. Oft wählen junge Fahrer sie bewusst als Übergang von 26" auf 29". Das ist eine Art Kompromiss, der – bei Menschen mit kleinerer Statur – definitiv Sinn ergibt und Beachtung verdient.
29" ist die Größe, die die Radfahrer einst in zwei Lager gespalten hat. Die einen verdammten sie, die anderen begrüßten sie. Heute ist es die am häufigsten verwendete Größe quer durch alle MTB-Kategorien. Der größte Durchmesser bringt die beste Überrollfähigkeit und bietet generell mehr Stabilität und Traktion im Gelände. Die Trägheit ist höher als bei den kleineren Geschwistern, die Beschleunigung jedoch die schlechteste von allen genannten. Was die Handhabung betrifft, schneidet es schlechter ab – das hängt aber stark von der Körpergröße des Fahrers ab. Fahrern kleinerer Statur kann ein 29"-Bike dort schwerfällig vorkommen, wo ein größerer Fahrer schlicht die Vorteile spürt.
Kombination aus 29" vorne und 27,5" hinten. Diese Lösung soll ein ohnehin großartiges Bike noch besser machen. Deshalb wird das Mullet vor allem bei Trail- und Enduro-Bikes verwendet. Über die Einteilung der MTB-Kategorien können Sie im separaten Artikel nachlesen.
Mullet vereint das Beste aus beiden Größen. Das vordere 29"-Rad – das führende – sorgt für perfekte Geländegängigkeit und Grip, während das 27,5"-Rad hinten dem Bike mehr Agilität und Verspieltheit verleiht.
Früher konnte man noch sagen, dass ein kleineres Rad kürzere Speichen hat und deshalb stabiler und steifer ist, aber ich wage zu behaupten, dass diese Aussage mit den heutigen Materialien nicht mehr so stark ins Gewicht fällt und auch große 29” in Sachen Stabilität problemlos mit 26” mithalten können. Und wenn dann noch Materialien wie zum Beispiel Carbon ins Spiel kommen, haben wir gleich das nächste Thema für einen Artikel.
Die Bezeichnungen können verwirrend wirken – verschiedene Hersteller in verschiedenen Ländern haben unterschiedlich gemessen. Die ISO-Zahl (559 / 584 / 622) ist immer exakt und unveränderlich. Wenn Sie das nächste Mal bei uns vor dem Regal mit Reifen oder Felgen stehen und sich nicht sicher sind, suchen Sie genau nach dieser Zahl – oder fragen Sie einfach unsere Verkäufer, sie besprechen das gerne mit Ihnen.
Übrigens – gibt es hier unter euch, liebe Leser, jemanden, der den eingangs erwähnten Begriff „výherní kachlička" kennt? Oder war das nur ein lokaler südmährischer Blödsinn und außerhalb unserer Stadt kennt ihn niemand? Schreibt in die Kommentare, wer weiß, worum es geht.
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