Der Sommer ist in den Herbst übergegangen. Die Tage werden kürzer, es wird kühler. Die Radsaison ist vorbei. Oder nicht? Lesen Sie, warum Sie Ihr Fahrrad nicht gleich mit den ersten Frösten an den Haken hängen sollten.
Leistungsfahrer setzen die Hinterbauten ihrer Maschinen gerade in die Trainer ein. Aber was ist mit uns Hobbyfahrern, die wir hauptsächlich wegen der Freude an der Verbindung mit der Natur radeln und keine Wattzahl über einer animierten Figur auf dem Tablet verfolgen wollen? Lassen Sie uns die Vorteile des Winterradfahrens betrachten. Wir haben direkt 7 Gründe für Sie, warum Winterradfahren besser ist als Sommerradfahren.
Mit dem Ende des Sommers sind auf den Straßen weniger Autos unterwegs. Das Wetter lädt nicht mehr so sehr zu Ausflügen ein, und die Menschen reisen eher aus Pflichtgründen - zur Arbeit, zum Einkaufen usw. Geringerer Verkehr hat unter anderem den Vorteil, dass Fahrer weniger stressigen Situationen ausgesetzt sind und somit geduldiger und rücksichtsvoller handeln können.
Weniger Verkehr bedeutet noch einen Vorteil, nämlich saubere Luft. Die Gleichung ist einfach: weniger Autos = weniger Abgase, die Radfahrer einatmen. Darüber hinaus geht die Natur in den Winterschlaf, und es gibt weniger allergene Stoffe in der Luft. Kältere Luft wirkt auch frischer und sauberer. Hier ist jedoch Vorsicht vor zu niedrigen Temperaturen geboten, die zu trockener Luft führen können. Das löst ein Schlauchschal über dem Mund, der den Dampf unserer Atemluft auffängt und so die eingeatmete Luft auf natürliche Weise befeuchtet.
Das mag paradox klingen, aber lassen Sie mich diesen Gedanken ausführen. Wenn es dunkel ist und ein Auto leuchtet, sieht man es aus viel größerer Entfernung als bei der Mittagssonne im Sommer. Sie wissen auch über das Auto Bescheid, wenn es hinter Ihnen oder hinter einer Kurve ist. Das Licht einschalten bei eingeschränkter Sicht ist auch für Radfahrer Pflicht. Dank der Beleuchtung am Fahrrad und reflektierenden Elemente sehen uns Autofahrer aus größerer Entfernung und die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass sie ihre Fahrt rechtzeitig anpassen.
Mit dem Rückgang des Sonnenlichts und der Verkürzung der Tage sinkt auch natürlich unsere Stimmung. Wir sind weniger motiviert, möchten nirgendwohin gehen und verkriechen uns zu Hause. Die Winterdepression kann so in eine saisonal-affektive Störung (SAD) übergehen. Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und die Exposition gegenüber Tageslicht (auch bei bedecktem Himmel) sind das beste Mittel und die nötige Portion Energie.
Die Sonne steht tagsüber tiefer und die Strahlen müssen eine dickere Atmosphärenschicht durchdringen. Das hat zur Folge, dass das Licht weicher wirkt, es weniger Blauanteile enthält und die goldene Stunde praktisch den ganzen Tag ist. Wenn die Sonne also herauskommt, hat das eine ganz andere Ausstrahlung als im Sommer. Und wenn Sie gerne Fotos Ihrer Touren auf Strava/Instagram posten, werden die Fotos von Winterausfahrten sicherlich auffallen.
Das hat sicherlich jeder schon erlebt. Der Schnee schmilzt, die Sonne kommt raus, und wir überwinden uns an einem Samstagnachmittag das Fahrrad hervorzuholen. Wir entstauben den Sattel, pumpen die Reifen auf, überprüfen die Gangschaltung und los geht's. Die Euphorie darüber, endlich wieder auf dem Fahrrad zu sitzen, weicht bald dem Leiden - die Lungen schreien, der Hintern drückt, die Oberschenkel brennen, etwas stört den Bauch.
Ich weiß selbst, wie sehr ich es an mir spüre, wenn ich im Sommer vor lauter Arbeit zwei Wochen lang nicht aufs Fahrrad komme - es dauert einfach etwas, bis man wieder hineinkommt. Und jetzt stellt euch vor, dass ihr nicht aus diesem Fahrrad-Rhythmus herauskommt und jede Woche einmal fahrt. Wie man sagt - winter miles = summer smiles.
Und nun das Wichtigste. Das Fahren im Winter ist langfristig objektiv gesünder. Man muss jedoch natürlich schrittweise vorgehen - genauso wie bei jeder anderen Form des Abhärtens. Wenn ihr im Herbst mit den Radtouren weitermacht, baut ihr euch eine stärkere Immunität auf, und die Bewegung am Wochenende bei frostigem Wetter wird euch im Winter nicht aufhalten.
Und was noch mehr ist, die Bewegung in der Kälte ist anspruchsvoller und man nimmt dadurch mehr ab. Der Körper verbraucht nämlich viel mehr Energie zum Warmhalten. Euer Stoffwechsel beschleunigt sich und ihr verbrennt schneller. Außerdem aktiviert ihr braunes Fett, was zur Folge haben kann, dass weißes Fett verbrannt wird = Gewichtsverlust.
Zum Schluss habe ich noch einen kleinen Tipp: Vergesst das Brechen von Rekorden und habt nicht zu hohe Erwartungen. Wie bereits gesagt - Radfahren im Winter ist für den Organismus anspruchsvoller, die Fahrbedingungen sind schlechter und eure Zeiten werden langsamer sein. Betrachtet das Winterradfahren als Vorteil, als etwas Zusätzliches. Wählt eine kürzere, gut bekannte Strecke und genießt die herbstlichen Farben, die sich bei jeder weiteren Ausfahrt verändern, die ruhige Natur, die tiefe Stille der verschneiten Landschaft, das sanfte Licht, die Verbindung mit eurem Körper, das gegen die Kälte kämpft, der Atem, der sich in Dampf verwandelt… Und das Gefühl, wenn ihr dann zu Hause eine wohlverdiente warme Dusche nehmt, trockene bequeme Kleidung anzieht und mit einem warmen Getränk in der Hand ein Buch aufschlagt oder einen Film anseht.
Wie ich mich auf den Winter freue! Freut ihr euch auch? Hervorragend! Im nächsten Artikel besprechen wir praktische Ratschläge und konkrete Tipps, damit ihr die Fahrt im Winter maximal und vor allem sicher genießen könnt.
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