Wer schon öfter mit schwerem Gepäck in anspruchsvollem Gelände unterwegs war, hat womöglich irgendwann dieselbe Feststellung gemacht wie ich vor ein paar Jahren: nämlich, dass Trekkingstöcke absolute Gamechanger sind. Sie entlasten nicht nur die Knie und geben Gleichgewicht und Stabilität, sondern fördern auch eine aufrechte Haltung, was für bessere Lastverteilung auf die Hüfte sorgt – Rücken und Schultern wissen das sehr zu schätzen.
Trekkingstöcke sind also eine gute Investition für alle, die ihren Körper schonen möchten, um noch möglichst lang die Trails dieser Welt bewandern zu können. Aber auch sonst können sie sehr nützlich sein: zum Beispiel, wenn man neugierige Kühe auf Abstand halten möchte, oder gern wüsste, ob das Moorloch vor einem nur den Fuß oder doch den ganzen Unterschenkel verschlingen würde.
Mit meinen treuen Manaslu Classics von Leki war ich jahrelang sehr zufrieden, denn sie sind unverwüstlich und absolut verlässlich, dafür allerdings auch recht massiv und durch ihren Schraubmechanismus etwas umständlich in der Handhabung. Da ich perspektivisch gern leichter und schneller unterwegs sein möchte, habe ich mich schließlich nach einer Alternative umgeschaut. Die Wahl fiel auf ein Modell des schwedischen Herstellers Silva mit einem guten Preis-Gewichts-Verhältnis. Besonders sympathisch: Trekkingaufsatz und -teller sind schon im Lieferumfang enthalten. Die Aluminiumstöcke von Silva sind ca. 150 g leichter als meine Lekis und haben statt Schraubmechanismus ein sogenanntes Flick-Lock für einfachere und schnellere Längenverstellung. Wer wie ich vorhat, auf ein Ultraleichtzelt umzusteigen, das mit Trekkingstöcken aufgestellt wird, macht sich das Campleben damit sicher um einiges leichter.
Auch deswegen könnten die neuen Stöcke für mich ein weiterer Schritt hin zu einem ultraleichten Trekking-Kit sein – entsprechend gespannt war ich darauf, sie auszuprobieren. Praktischerweise befindet sich der perfekte Testparkour fast direkt vor meiner Haustür.
Der Forststeig führt auf ca. 100 km linkselbisch durch die sächsisch-böhmische Schweiz – und zwar auf einer anspruchsvollen Route, deren viele Schlenker und scheinbar unnötigen Auf- und Abstiege zunächst für Skepsis sorgen mögen. Doch etwas Vertrauen in die Wegführung lohnt sich, denn macht der Forststeig einen Umweg, dann meist nur, um dem Wandernden stolz ein weiteres landschaftliches Highlight zu präsentieren. Ich war den Weg ein paar Jahre zuvor bereits mit meiner Schwester gewandert und hatte mich damals schon in seine spektakulären Ausblicke, märchenhaften Wälder und bizarren Sandsteinformationen verknallt.
Die Freude auf ein Wiedersehen war demnach groß und außerdem war das steile Gelände perfekt geeignet, um die neuen Stöcke zu testen – auch wenn ich wegen Zeitmangels nicht den ganzen Trail würde gehen können. Stattdessen startete ich beim Örtchen Cunnersdorf und folgte dem Forststeig vier Tage lang bis zum Terminus am Bahnhof Schöna.
In Cunnersdorf angekommen hieß es raus aus dem Bus und rauf auf den Trail. Dieser verläuft auf dem Kamm südlich des Dorfes. Der erste Aufstieg ließ also nicht lang auf sich warten und ich ließ mich natürlich auch nicht lang bitten, meine neuen Stöcke rauszuholen. Dank Flick-Lock waren diese im Handumdrehen passend eingestellt und einsatzbereit. Auch der Gewichtsunterschied zu meinen Lekis, der in Zahlen eigentlich gar nicht so riesig gewirkt hatte, machte sich bereits auf den ersten Metern überraschend deutlich und angenehm bemerkbar. Wortwörtlich unbeschwert und einfach froh, wieder unterwegs zu sein, zog ich also durch die ländliche Idylle, vorbei an vertrauten Felsformationen wie Signal und Katzfels und an den ersten tollen Aussichten.
Schließlich führte mich der Forststeig steil hinab in den Dürrebielegrund – die erste richtige Belastungsprobe für die Silva-Stöcke. Ein Stock schob sich tatsächlich etwas zusammen, als ich mich beim Abstieg auf ihn stützte. In meiner ungeduldigen Vorfreude hatte ich das Flick-Lock vielleicht nicht fest genug angezogen. Also justierte ich alle Verschlüsse nochmal schnell nach. Beim nächsten steilen Abstieg zum Zehrborn-Biwak hielt dann alles bombenfest und die erste Etappe war damit auch schon geschafft. Nach Zeltaufbau und Wasserholen am nahegelegenen Zehrborn blieb noch genug Zeit, um das Lagerleben ausgiebig zu genießen.
Kleine Randnotiz: Trekkingstöcke eignen sich auch gut, um freche Füchse zu verscheuchen, die nachts heimlich auf Sitzkissen herumkauen.
Bis auf die Begegnung mit dem Fuchs war die Nacht ruhig gewesen, sodass ich am nächsten Morgen gut ausgeruht die zweite und anstrengendste Etappe der Tour in Angriff nehmen konnte. Die hochsommerlichen Temperaturen und der erste steile Anstieg brachten mich schon bald ordentlich ins Schwitzen und ich gratulierte mir innerlich dazu, wieder Stöcke mit Korkgriffen gewählt zu haben. Schon bei meinen Lekis hatte ich den Gripp und die feuchtigkeitsableitenden Eigenschaften dieses Materials zu schätzen gelernt. Selbst mit maximal schwitzigen Händen fühlten sich die Griffe der Silva-Stöcke noch angenehm trocken und griffig an, sodass ich mich ganz auf den Weg konzentrieren konnte.
Und der hatte es in sich – sowohl landschaftlich als auch vom Höhenprofil her. Mal auf der einen, dann wieder auf der anderen Seite des Bialatals führte der Forststeig steil auf und ab, vorbei an zahlreichen Highlights wie der Johanniswacht oder den mächtigen Herkulessäulen. Hier waren die Stöcke manchmal eher hinderlich, entweder, weil ich meine Hände anderweitig brauchte, oder weil der Pfad zu schmal war. Meine Lekis hätte ich auf diesen Abschnitten trotzdem weiter in der Hand getragen – sie jedes Mal auf Transportgröße zu schrauben, wäre mir viel zu aufwendig gewesen. Mit den Silvas ging das hingegen superfix und diese Flexibilität wollte ich schon bald nicht mehr missen.
Nachdem der letzte Aufstieg aus dem Tal geschafft war, ging es durch schöne Waldgebiete ins tschechische Örtchen Tisá. Auf dem Campingplatz Spartak, der von einem netten älteren Ehepaar betrieben wird, baute ich mein Zelt auf und ließ den schönen Sommerabend am Bistro Pod Kaštany mit einer leckeren, warmen Mahlzeit und einem kühlen Pivo ausklingen.
Am vorletzten Tag warteten gleich mehrere Highlights auf mich und eines davon sogar genau vor meiner Zelttür – denn das Camp Spartak liegt direkt an den Tisáer Wänden, einem beliebten Klettergebiet, das auch sehr treffend als „Felsenstadt“ bezeichnet wird. Tisá und seine Wände liegen zwar nicht direkt auf dem Forststeig, sind aber auf jeden Fall einen Abstecher wert. Auch der zweite wortwörtliche Höhepunkt ließ nicht lang auf sich warten, denn kurz nach Ostrov ging es hinauf auf die höchste Erhebung im Elbsandsteingebirge: den Hohen Schneeberg bzw. den Děčínský Sněžník. Der Aufstieg wurde belohnt mit großartigen Ausblicken und einer erfrischenden Brise, bevor der Forststeig mich durch freundliche Birkenwälder mit dichten Teppichen aus Heidelbeerkraut abwärts führte.
Auch an diesem Tag ging es wieder steil und steinig zu und ich war froh, Stöcke dabeizuhaben. Diese waren nach wie vor einwandfrei bequem. Dank der Korkgriffe und der angenehm weichen Handschlaufen rieb und scheuerte nichts – keine Selbstverständlichkeit bei täglicher stundenlanger Benutzung. Nach einem schönen, geselligen Abend mit netten Mitwandernden ging der vorletzte Tag schließlich auf dem Taubenteich-Biwak zu Ende.
Der letzte Tag auf dem Forststeig startete recht spät, denn niemand hatte wirklich Lust, die nette Runde aufzulösen, oder wie ich am Ende des Tages wieder in der Zivilisation anzukommen. Schließlich eisten wir uns jedoch los und gingen unserer Wege. Der Trail führte mich an diesem Morgen durch kühle, wurzelige Waldgründe mit kleinen Bächen – und dorthin ging es wie? Genau: steil abwärts. Beim Überwinden eines besonders tiefen Absatzes verlagerte ich fast mein gesamtes Gewicht auf einen der Stöcke. Das war wohl doch etwas zu viel, denn er schob sich deutlich zusammen. Zum Glück hatte mein Fuß bereits sicheren Halt gefunden, sodass ich trotzdem problemlos das Gleichgewicht halten konnte. Die Situation hätte aber auch ganz anders ausgehen können. Verwundert prüfte ich nochmals die Einstellung aller Flick-Locks. Ich konnte sie jedoch nicht mehr viel fester anziehen, denn sonst hätten sie sich kaum noch schließen lassen. Etwas ernüchtert, aber guter Dinge zog ich weiter, genoss die letzten tollen Ausblicke vom Großen Zschirnstein und bahnte mir meinen
Weg durch dunkle Täler und weite Farnmeere. Auf den folgenden steilen Passagen des Weges hielten die Stöcke wieder problemlos. Im Gelobtbachtal machte ich mich in einer schönen Badegumpe noch schnell frisch für die Zugfahrt, bevor es auf den letzten paar Kilometern schließlich zum Endpunkt der Tour am Bahnhof Schöna ging. Dort verabschiedete ich mich etwas wehmütig von „Forsti“ und verstaute (blitzschnell) meine nun auf Herz und Nieren geprüften Stöcke. Und wie lautet mein Fazit?
Auch wenn der Forststeig „nur“ durchs heimische Mittelgebirge führt, macht ihn die Beschaffenheit des Geländes in meinen Augen trotzdem zu einer ernstzunehmenden Belastungsprobe für Wanderer und Trekkingstöcke gleichermaßen. Das Modell von Silva hat hier meiner Meinung nach überwiegend gut performt:
Stabilität und Zuverlässigkeit der Stöcke werde ich wohl noch eingehender testen müssen. Zwar gab es auf den allermeisten steilen Abstiegen keinerlei Probleme, aber der Zwischenfall am letzten Tag könnte doch ein Hinweis darauf sein, dass die Stöcke besser für Personen mit leichterem Körperbau geeignet sind, die tendenziell auch eher mit leichtem bis ultraleichtem Gepäck unterwegs sind. Auf wen dies zutrifft, der dürfte aber nach meiner Einschätzung in den Silva-Stöcken verlässliche, komfortable und praktische Begleiter für anspruchsvolle Pfade finden.
In den etwa 22 Jahren, in denen ich im Radsport tätig bin, begeistert mich nicht mehr so leicht etwas. Oft habe ich das Gefühl, dass es mehr um Marketing geht als um die Verbesserung eines Produkts…
Im Rahmen der Superior Test Days, die im Laden von Koloshop in Teplice organisiert wurden, hatte ich die Möglichkeit, eine Neuheit zu testen, die mich bei der Vorstellung auf den ersten Blick…
Die Auswahl der richtigen Laufschuhe ist entscheidend für ein perfektes Lauferlebnis – egal, ob du ein Profi-Läufer, Wettkämpfer, Hobbyläufer bist oder dich gerade erst zu deinem ersten Lauf…
Bewährte Qualität
Nur geprüfte Produkte
Wir helfen Ihnen bei der Auswahl
Mo - Fr: 10 Uhr bis 15 Uhr
Wir werden innerhalb von 24 Stunden antworten.